Exter: Im Ortszentrum (2004)
CVJM Christlicher Verein Junger Menschen zu Exter
(aus: H05 - Als freie Zeit zur Freizeit wurde 2 - Freizeit in Vereinen)
Text: Ilse und H.-P. Märgner, Wilfried Sieber

In der Erweckungsbewegung entstanden im Minden-Ravensberger Land viele christliche Vereine und Posaunenchöre. In Exter gründete sich ein Posaunenverein erst 1887 und begleitete mit 10 Bläsern den Gottesdienst erstmalig am 3. Juli, dem 4. Sonntag nach Trinitatis. Initiator war der um das Erbe der Erweckungsbewegung bemühte Pfarrer F. W. Brünger.

Bild: Friedrich Wilhelm Brünger, 1832 - 1911, war von 1870 bis 1909 Pfarrer in Exter

1893 trat der Evangelische Männer- und Jünglingsverein dem Westdeutschen Jünglingsbund in Barmen bei, dem späteren CVJM Westbund. Ab 1896 leitete Heinrich Göhner 53 Jahre lang den Verein. Im am alten Pastorenhaus 1907 erbauten Vereinssaal fand das Vereins- und Gemeindeleben fast 70 Jahre lang statt. 1909 folgte Heinrich Gottlieb Brünger dem Vater im Amt. 1913 zählte allein der Evangelische Männer und Jünglingsverein Exter 48 Mitglieder. Im I. Weltkrieg konnte der Dienst mühsam aufrecht erhalten werden.

1929 gründeten Mitglieder der Turnabteilung die heutige SGEE (Sportgemeinschaft Einigkeit Exter). Um 1930 kamen in Männer- und Jünglingsverein, Posaunenchor, Gemischtem Chor und Weißkreuzgruppe (Evangelischer Fachverband für Sexualethik und Seelsorge Weißes Kreuz e.V., 1890 gegründet) über 120 Personen zusammen, im Jungfrauenverein über 30 Mädchen und Frauen.

Aktive vor dem alten Vereins- und Gemeindehaus Exter Bild: 1927 - Aktive der Turnabteilung vor dem Vereins- und Gemeindehaus im Sundern

Bei der Gleichschaltung unter der NSDAP wurde der Posaunenchor mit seinen 36 Bläsern in die Reichsmusikkammer eingegliedert und auch als Musikgruppe bei politischen Aufmärschen und Feierlichkeiten im Ort eingesetzt. 1934 sollten im Zuge der "Gleichschaltung" alle Mitglieder unter achtzehn Jahren in einem offiziellen Gottesdienst am 4. März in die Hitlerjugend (HJ) bzw. den Bund Deutscher Mädels (BDM) überführt werden. Vorstand und Pfarrer Brünger sah darin "antichristlichen Missbrauch" des Gottesdienstes. Man entließ unter vielen Tränen am 25. Februar in einer Abschiedsfeier im Gottesdienst 72 Jugendliche, die sich künftig als "Gemeindejugend" zur noch erlaubten Bibelarbeit trafen.

Das 50. Jahresfest (1937) war überschattet vom Tode Pfarrer Heinrich Brüngers. Zum Fest spendeten Gemeindeglieder 730 RM; neun Instrumente wurden gekauft. Sie wurden wegen angeblichen Verstoßes gegen das Sammlungsgesetz eingezogen. Ortspolizist Gödecker ließ zu, dass man sie noch einmal im Gottesdienst spielte. Sechs Monate später waren sie freigegeben; Minna Flagmeier aus Solterwisch hatte sich mit einer Bittschrift an den Führer in Berlin gewandt. 1938 übernahm Pfarrer Heinrich Bültemeier die Pfarrstelle, die er durch konsequentes Eintreten gegen die Nazidiktatur verlassen musste. Vorübergehend übernahm Pfarrer i. R. Quistorp den Gemeindedienst.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen. Der Posaunenchor schrumpfte zusammen, konnte den Dienst in der Gemeinde aber aufrecht erhalten. Heinrich Göhner schrieb über diese Jahre u. a.: "Das Wort Nationalsozialismus ist jetzt der Inbegriff von Jammer und Elend".

Pastor Gröne und Theodor Göhner in der Kirche Exter Bild: Nach dem Neubau des Kirchenschiffes im Jahre 1951: Pastor Wilhelm Gröne und Vereinsleiter Theodor Göhner in der Kirche zu Exter. Über ihnen schwebt der Taufengel.

Nach dem II. Weltkrieg trafen sich im Sommer 1947 wieder schulpflichtige Jungen und Mädchen zur Jungscharstunde. Ab 1948 wirkte Pastor Wilhelm Gröne als neuer Gemeindepfarrer in Exter. Er wurde ein Jahr später Vorsitzender der Evangelischen Jugendvereine und Theodor Göhner übernahm vom Vater den Vereinsvorsitz. Als "Onkel Theodor" hat er dann vielen jungen Menschen den Umgang mit Instrumenten vermittelt.

1961 kaufte die Kirchengemeinde das neben der Kirche liegende Schulgrundstück mit Gebäuden und im neuen Gemeindehaus übten die Chöre ab 1965. Nach der völligen Umgestaltung wurde es 1971 offiziell eingeweiht. Das Vereinsleben entwickelte sich, eine Tischtennisgruppe, der Arbeitskreis Politik und Kultur, ein Mädchenkreis und weitere Jungschargruppen kamen hinzu. 1970 schlossen sich die Frauen und Mädchen mit ihren Gruppen dem Westbund an. Pfarrer Gröne ging 1972 in den Ruhestand.

Nachfolger und Vorsitzender war von 1974 bis 2001 Pfarrer Ulrich Holtkamp, ihm folgte Ralf Steiner. Seit 1976 heißt der Verein mit Genehmigung des Westbundes "Christlicher Verein Junger Menschen CVJM". Im Jubiläumsjahr 1987 zählte er 218 aktive Mitglieder. Zum 110. Geburtstag dokumentierte 1997 eine Fotoausstellung den jung gebliebenen Verein. Unter Pfarrer Ralf Steiner wurde der Bereich für die Jugend komplett neu eingerichtet.