Exter: Im Ortszentrum (2004)
Kriegsgefangene in Exter
(aus: F06 - Spurensuche III)

Bereits 1939 wurden Kriegsgefangene zur Unterstützung der Wirtschaft und zur Versorgung von Wehrmacht und Bevölkerung herangezogen. Die in Vlotho und Exter seit dem August 1940 eingesetzten französischen Kriegsgefangenen kamen aus dem Stalag (Stammlager) Versen bei Meppen an der Ems.

Die zeitweise etwa 60 (!) Männer, die in Exter Nr. 46 mit ihrer Wachmannschaft hausten, schliefen auf Strohsäcken in doppelstöckigen Pritschen aus Tannenholz. Die hygienischen Verhältnisse sind vorstellbar. Rings um das kleine Lager war Stacheldraht gezogen. Viele arbeiteten in der Landwirtschaft, im Straßenbau, in der Möbelfabrik Droste z. B. ihrer fünf und einer in der Gastwirtschaft, Kohlenhandlung und Bäckerei Ellermann.

In einem Überstellungsschreiben vom 16. Mai 1941 untersagte der Vlothoer Bürgermeister Sappke jegliche Vertraulichkeit mit den Kriegsgefangenen, speziell politische Gespräche, auch Geschenke waren verboten - gebrauchte Kleidung durfte verschenkt werden. An Werktagen nahmen die Gefangenen ihre Mahlzeiten in den Betrieben ein, die Arbeitszeiten richteten sich nach den für die Deutschen üblichen.

Bild: Das vormalige Kriegsgefangenenlager, ein Gebäude mit den Ausmaßen eines normalen Heuerlingshauses

Im August 1943 wurden 49 Russen und 12 Ukrainer aus dem Stalag Forellenkrug/Stuckenbrock hierher verlegt und vorwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt. Später löste der Volkssturm die an der Front gebrauchte Wachmannschaft ab.

In den Monaten März und April 1945 sollten auch die 482 ausländischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen aus Vlotho und Exter (davon 340 in Lagern) vor dem Herannahen der Alliierten von der Front weggebracht werden. Für 5.00 Uhr früh am 2. April 1945 war für die nächst einquartierten Gefangenen bei Pieper in Exter und Lübke in Solterwisch die Bildung von Sammeltransporten Richtung Uffeln angesetzt. Für die Bewachung waren zuständig Lehrer Wehmeier (als Führer des Volkssturms) und der Gendarm Gödecker. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Zum einen wohl durch die Osterfeiertage und zum anderen stand bereits eine Kampfgruppe der 5. US-Panzerdivision vor Exter.

Nach dem Kriegsende warteten Fremdarbeiter und Kriegsgefangene, zusammengefasst in Lagern unter alliierter Leitung auf den Transport in die Heimatländer. Es kam zu Übergriffen dieser Menschen auf die heimische Bevölkerung, Rache an den ehemaligen Unterdrückern. So wurde in Hollwiesen eine 67 Jahre alte Frau erschlagen; in der Todesanzeige schrieben die Angehörigen: "Mehr konnten die Auswirkungen eines unnötigen Krieges nicht von uns fordern."

Anzumerken sei, dass einige der russischen ehemaligen Kriegsgefangenen in ihrer Heimat Repressalien wegen Verdacht auf Kollaboration erwarteten und sich um weiteren Verbleib in Amerika bemühten.

Vom Beginn bis zum Ende des Krieges starben im Amt Vlotho lediglich zwei ausländische Staatsangehörige; die Lagerleiter waren gehalten, kranke und arbeitsunfähige Kriegsgefangene ins "Lazarett" des Stalag zurückzuschicken. Im Stammlager Stuckenbrock kamen allerdings Tausende ums Leben durch die menschenunwürdige Behandlung und Unterbringung durch die Deutsche Wehrmacht. Am 21. Mai 1945 kam noch ein Russe bei einem Unfall durch ein Pferdefuhrwerk zu Tode.