Der Kiesteich in Uffeln

Der Kiesteich in Uffeln(aus: L13 – Spurensuche XIII
und: R05 – Uffeln Nr. 5 – Opas Tagebuch)

Die Texte zu dieser Seite sind verschiedenen Ausgaben unserer Sammelreihe «Beiträge zur Ortsgeschichte» entnommen. „Krögermeiers Hof“ skizziert das wenige, das wir zu diesem Anwesen bis zum Jahr 1930 zusammentragen konnten. Die „Anmerkungen zu Opas“ Tagebuch sind Hinweis auf wertvolle Zeitzeugenberichte im wahrsten Sinne des Wortes, die uns weitestgehend authentische Bilder vom täglichen Leben vermitteln können. „Opas Familie“ und der „Tagebuchauszug“ vermitteln das Bild eines noch tief in der Erweckungsbewegung verwurzelten Ravensberger Bauern, der eine sichere Existenzgrundlage für sich und seine Familie sucht. Auch die Suche in Uffeln ist nicht erfolgreich, wie der Bericht „Der lange Weg zur Lagerstätte“ zum heutigen Kiesteich im jüngsten Vlothoer Stadtteil zeigt.

Texte

Krögermeiers Hof (L13 – Helga Simonsmeier)
Anmerkungen zu Opas Tagebuch (R05 – Redaktion website)
Opas Familie (R05 -Dirk Böckmann)
Tagebuchauszug (R05 – Wilhelm Böckmann [ † ])
Der lange Weg zur Lagerstätte (L13 – Hans Peter Märgner)

Krögermeiers Hof

Den Krögerhof muss es schon 1635 gegeben haben, denn 1650 wird in den Kirchenakten ein Dirich (Dietrich) Kröger erwähnt. Er war im Kirchspiel Holtrup-Uffeln seit 15 Jahren „Altarmann“ – ein Amt ähnlich dem heutigen Presbyter. 1750 bekamen die Hofstellen Nummern. Der Krögerhof erhielt die Nummer 5 und lag zwischen „Uffeln-Dorf“ und der Bauerschaft „In den Höfen“.
Im Laufe der Jahrhunderte müssen die Nachfahren ihr Hab und Gut beträchtlich vermehrt haben, denn um 1900 herum gehören zu der Hofstelle größere Ländereien und ein Heuerlingshaus. Die Stallungen brannten 1925 nieder. 1930 entstand direkt am Hof ein Kieswerk. 1932 ging die Zeit des Krögerhofes zu Ende, der Besitzer wechselte. Heute befindet sich am Kiesteich die Firma Schnittger GmbH.


Anmerkungen zu „Opas Tagebuch“

Von 1932 bis 1941 lebte auf dem ehemaligen Krögerhof die Familie Böckmann. Wilhelm Böckmann hinterließ ein Tagebuch, aus dem wir Auszüge in unserem „Beitrag zur Ortsgeschichte“ mit dem Titel „… Opas Tagebuch“ veröffentlichen. Wir danken Dirk Böckmann dafür, diesen Bericht in unsere Dokumentationen aufnehmen zu dürfen.

Die Tagebücher der westfälischen Bauern“ überschrieb Thomas Schuler seinen 1982 im „Jahrbuch in Ostwestfalen: Der Minden-Ravensberger“ erschienenen Beitrag. Diese Hofbücher enthalten Informationen darüber, was den Bauern wirklich interessierte: Das Wetter, die Landwirtschaft, die Viehzucht und ab und zu findet man auch Angaben zu persönlichen Ereignissen wie Heirat, Geburt und Sterbefälle. Geschrieben wurde in leere Notizbücher, doch auch in die damaligen Kalenderbücher, die neben dem Kalendarium Unterhaltsames ebenso enthielten wie Ratschläge und Berichte über Neuerungen, die sich nützlich erweisen konnten für den Hofbetrieb. Dass er sich der Wichtigkeit seiner Erzeugnisse für solche Zwecke bewusst war, zeigte mancher Kalenderverleger dadurch, dass er seiner Leserschaft Platz für eigene Notizen ließ.

Schuler hebt die Wichtigkeit dieser Hofbücher als „unschätzbare Quelle für Volkstum, Mundart, Familien- und Ortsgeschichte“ hervor. Er schreibt auch, dass das „Volkskundliche Seminar der Universität Münster“ sich mit der Erfassung solcher Aufzeichnungen befasst und bedauert, dass im Laufe der Zeit eine Unzahl solcher Informationsträger verloren gingen oder vernichtet wurden.


1928: Krögermeiers Hof, rechts im Bild die Leibzucht (Haus der Altenteiler)

Bild: 1928: Krögermeiers Hof, rechts im Bild die Leibzucht (Haus der Altenteiler)

Opas Familie

Wilhelm Böckmann war ein frommer Mann. Er gehörte zur evangelischen Kirchengemeinde Holtrup, hatte aber auch viele Kontakte zu anderen christlichen Institutionen wie Landeskirchliche Gemeinschaft, EC Jugendbund, dem Blauen Kreuz und der Evangelischen Gesellschaft. Die christlichen Gruppen hatten an verschiedenen Orten Bibelstunden, diese hielt des öfteren auch Wilhelm Böckmann.

Außerdem gingen Böckmanns auch nach Vlotho zur St. Stephanskirche und der reformierten Kirche. Opa war hilfsbereit. Er vertrat eindeutig seine Meinung. So kam nie ein „Heil Hitler“ über seine Lippen, was ihm auch Nachteile brachte. Allerdings konnte die Leitung der Gewerbebank eine Enteignung verhindern, obwohl diese Gefahr im Hinblick auf die Ausdehnung des Kiesabbaues immer bestand.

Die lange Kriegszeit haben Opa und Oma sehr zu schaffen gemacht, die Umsiedlung 1941 nach Lassahn am Schaalsee und besonders die Jahre 1943 bis 1945, in denen sie zwei Söhne verloren haben. Dann kam im November 1945 die Evakuierung durch die englische Militärregierung über den Schaalsee, der als Grenze von den Alliierten ausgehandelt war, nach Ratzeburg und dann weiter nach Stedefreund, wo die Familie begonnen hatte.

Nun wohnten Opa, Oma, Opas Schwester Friederike, Frieda und Friedas Sohn Dirk zusammen. Oma wurde immer schwächer und starb im November 1950. Opas Schwester folgte ihr einen Monat später im Dezember. Nun zogen Opa, Frieda und Dirk 1954 nach Vlotho um und 1961 wieder nach Uffeln auf den Höferbrink 13a. Opas letztes Zuhause war wieder in Uffeln, dort ist er 1965 kurz nach seinem 84. Geburtstag friedlich eingeschlafen.

Tagebuchauszug:

1936 in Uffeln

Mittwoch, 1. Januar – Heute haben uns Heinrich Kirchhof und Frau, und Lehrer Westerholt mit Familie besucht. Die Witterung ist ungewöhnlich mild. Haben noch einige Neujahrskarten und vom Finanzamt die Einschätzung zur Umsatzsteuer erhalten, am 10. d. M. ist die erste Rate fällig.

Donnerstag, 2. Januar – Bei mildem Wetter haben wir heute gedüngt auf dem Wickenland und Mutterboden vom Kieswerk zum Komposthaufen gefahren. Magda Kohlmeier hat bei uns genäht. Walter ist aufgefordert worden, am Reichsberufswettkampf teilzunehmen.

Freitag, 3. Januar – Wir haben das zweitbeste Schwein geschlachtet. Herr und Frau Wehage waren hier, wir haben mit denselben die Vereinbarung getroffen, dass Luise am 15. d. M. zu ihnen in Stellung geht. War zweimal nach Vlotho, habe mit Tischler Backhaus abgerechnet und noch 16,50 Mark Über-schuss gehabt. Die Witterung ist ausdauernd milde.

Samstag, 4. Januar – Am Vormittag haben wir gewurstet, dann haben wir 26 Zentner Roggen eingesackt, welche ich am nächsten Montag als Brotgetreide für unseren Bedarf zu Müller Kreimeier auf den Buhn zu bringen gedenke. Frau M. Steinhart hat uns 9 Mark Geld für Fleisch geschickt.

Freitag, 10. Januar – Bin vormittags nach Vlotho gewesen und habe 8,60 RM Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeschickt. Meierbröker hat uns besucht. Abends bin ich nach Vlotho zur Gebetsstunde gewesen. Frieda ist von Bielefeld heute abend zurückgekehrt, Frau Voss ihr Zustand hat sich gebessert. Die Witterung ist milde mit starken Regengüssen.

TagebuchauszugBild: um 1934: An der Weser, gegenüber dem Vlothoer Bahnhof: Frieda, Harald, Hanna, Oma mit Lydia davor, Walter, Opa und Magdalene

Samstag, 11. Januar – Heute habe ich an Schmied Kohlmeier die Rechnung bezahlt, 73 Mark. Habe dem Drängen des Zirkusbesitzers Winter nachgegeben und 10 Pferde im Kuhstall beherbergt (bis Montag). Abends 8 Uhr hatten wir die letzte Gebetsstunde der Allianz-Gebetswoche, dieselbe war gut besucht. Lieschen ist auch an den Masern erkrankt. Einen Brief haben wir von Heinrich bekommen.

Dienstag, 14. Januar – Am frühen Morgen war Schneefall eingetreten. Bin nach Vlotho zur Gewerbebank gewesen und bei Wehages und Walters. Es sind Verkaufsverhandlungen wegen des Kieswerks im Gange. Lieschen wird wohl in nächster Woche zu Wehage gehen. Walter war meist im Bett, erkältet. Ich leide noch immer an Rückenschmerzen.

Mittwoch, 15. Januar – Am Morgen erschien der Beamte vom Wasserbauamt und beschwerte sich, dass die Drahteinzäunung nicht weit genug entfernt sei. Detering hat sein Heu und Stroh vom Kotten geholt. Magdalene hat uns geschrieben, dass Frau Voss gestorben ist. Wir haben ein Schwein zu Meierbröker zum Eber gebracht. Am nächsten Sonnabend sollen wir 25 Zentner Torf von Vennebeck holen. Es ist leichter Frost eingetreten.

Donnerstag, 16. Januar – Mit Widerwillen habe ich die Drahteinzäunung an der Weser weiter entfernt. Aus Schildesche haben wir den Totenbrief von Voss erhalten, die Beerdigung findet am Sonnabend statt. Walter ist nicht zur Fort-bildungsschule gewesen. Ich habe eine Postkarte als Entschuldigung an den Lehrer geschrieben, wie auch an Magdalene, dass ich am Sonnabend zur Beerdi-gung in Schildesche sein will.

Freitag, 17. Januar – Habe Schrot gemahlen. Bollmanns haben 10 Zentner Kartoffeln geholt. Zu Meierbrökers haben wir ein Schwein zum Eber gebracht. Abends sind Minna und ich zur Bibelstunde gewesen.

Samstag, 18. Januar – Morgens früh sind wir mit dem Gespann nach Vennebeck gewesen und haben ein Fuder Torf geholt. Um 12:27 Uhr bin ich nach Bielefeld abgefahren, habe Magdalene dort getroffen, sind dann zur Beerdigung von Frau Voss nach Schildesche gewesen. Abends bin ich bei Niehaus in Brake gewesen und habe dort übernachtet.

Dienstag, 21. Januar – Lieschen ist zu Wehages in Stellung gegangen. Drei Briefe habe ich heute geschrieben, an Tante Minna, Magdalene und Heinrich. Wir haben stürmisches Wetter mit Regen.

Mittwoch, 29. Januar – Wir haben heute vormittag die Vorbereitungen zum Dreschen getroffen. Das letzte fette Schwein ist an Schröder verkauft worden, wir erhielten dafür 104 Mark. Unseren Roggen haben wir abgedroschen. Magdalene schrieb, sie will auf die Stelle in Vlotho verzichten.


Der lange Weg zur Lagerstätte

Der lange Weg zur Lagerstätte

Bild: Blick vom Winterberg auf Uffeln vor dem Brückenbau. Vom Kieswerk ist noch nichts zu sehen. Am Weser“knie“ die Werft Büsching & Rosemeyer, links im Vordergrund Gottlieb Tölle.

Sandkörner und Kiesgerölle können ihre Lebensgeschichte erzählen. Sie berichten über zerfallene Gebirge, verschwundene Meere oder vergangene Eiszeiten. Auch heute noch ist der geologische Prozess, sind Ab- und Aufbau von Gesteinen wirksam.

Sonne, Wind, Regen, Frost oder Organismen (Erosion) zerstören das Felsgestein und lösen es aus seiner Umgebung. Nun beginnt für viele Gesteine eine weite Reise. Gebirgsbäche reißen Gerölle mit sich und transportieren sie talabwärts. Dabei werden sie weiter zerkleinert. Flüsse nehmen die Gesteinspartikel mit auf ihren Weg und je nach Fließgeschwindigkeit des Gewässers wird die Fracht nach Größe wieder abgelagert.

Während der vergangenen Kaltzeiten hatten die Flüsse eine ganz andere Gestalt. Mit dem einsetzenden Tauwasser in den Frühsommern transportierten die sich ständig ändernden Flusssysteme riesige Mengen von Gesteinsschutt, der durch Frostverwitterung an den Talhängen entstand. Bei nachlassender Strömung wurde die Fracht in Form von Kies- und Sandbänken wieder abgesetzt.

In einer Kieshalde wird man ganz unterschiedliche Gerölle in Form und Farbe erkennen. Es sind die Zeugen der verschiedenen Gesteinsschichten, die der Fluss in einer Landschaft durchströmt. Manchmal stoßen wir aber auch abseits der heutigen Flusstäler auf Kiesgruben. Sie sind ein Beleg dafür, dass sich die Flüsse in ihrer langen Vergangenheit manchmal ganz andere Wege gesucht haben.

Weserkies

Westlich von Erder beginnt die Engtalstrecke der Weser. In einem weiten Bogen umfließt sie den Buhn und durchbricht die Keuperschichten, die hier auf beiden Seiten anstehen. Dieser Durchbruch wird auch Lippische Pforte genannt. Man nimmt an, dass die Weser erst in der Weichselkaltzeit mit dem Einschneiden in die Ablagerungen der Saaleeiszeit ihren Lauf westlich am Buhn vorbei eingeschlagen hat. Es gibt Hinweise auf einen früheren Verlauf nordöstlich des Buhn.

Ihre Entstehung verdanken die Kies- und Sandvorkommen an der Weser größtenteils geologischen Vorgängen während der letzten Eiszeit – der Weichsel-Eiszeit -, die vor etwa 100 000 Jahren begann und um 8000 v. Chr. endete. Während der Weichsel-Eiszeit hatten sich enorme Eismassen von Skandinavien bis in den Raum nördlich von Hamburg vorgeschoben. Südlich der Gletscherfront herrschte ein „sibirisches“ Klima, das für eine intensive Frostverwitterung der Gesteine in den Mittelgebirgen sorgte.

An den Talhängen der Weser und ihrer Nebenflüsse – vom Thüringer Wald bis hin zum Weser-Wiehengebirge – entstanden dabei gewaltige Mengen von Gesteinsschutt, der dann von der eiszeitlichen Weser stromabwärts transportiert wurde. Nach und nach wuchsen diese Bänke zu einer breiten Schotterflur zusammen, die sich in unserer Region als Niederterrasse an der Weser entlang zieht.

Kies, ein wichtiger Rohstoff

um 1935: Das Kieswerk (rechts im Bild), links die Drahtseilbahn über die Weser.

Bild: um 1935: Das Kieswerk (rechts im Bild), links die Drahtseilbahn über die Weser.

Kies und Sand sind von der Menge her gesehen die wichtigsten mineralischen Rohstoffe in der Bundesrepublik. 95 Prozent werden derzeit im Hoch- und Tiefbau eingesetzt, besonders zur Herstellung von Beton, Mörtel oder Kalksandsteinen oder als Füllmaterial für Eisenbahndämme oder Straßen. Die Produktion von Kies und Sand liegt zur Zeit bei 400 Millionen Tonnen pro Jahr, um den gegenwärtigen Bedarf zu decken. Das sind jeden Tag etwa 1,1 Millionen Tonnen.

Natürliche Kiesablagerungen bestehen aus einem Gemenge von Körnern unterschiedliche Größe, feinen Tonpartikeln, Sand, Kies bis zu größeren Geröllen. Für die Herstellung von Beton oder anderen Produkten muss der Kies durch Siebung in verschiedene Korngrößenklassen getrennt werden. Größere Gerölle werden in der Brechanlage zerkleinert und den Kornfraktionen zugeordnet. Es müssen aber auch Bestandteile ausgesondert werden, die in den fertigen Produkten schädigend wirken können.

Jeder Sand-, Kies- oder Gesteinsabbau verändert unsere Landschaft. Wir müssen daher behutsam zur Deckung des Bedarfs und Erhaltung der Landschaft mit dem Abbau umgehen. Gerade entlang der Weser sind viele Kies- und Sandabbaugebiete zu Freizeitzentren oder Biotopen für die Tier- und Pflanzenwelt umgestaltet worden. Seit der Mensch in den Naturhaushalt der Erde eingreift formt er sie zu einer Kulturlandschaft um.

Kiesabbau in Uffeln

Teleaufnahme des Kiesteiches 1991

Bild: Teleaufnahme des Kiesteiches 1991, also etwa 60 Jahre nach Beginn der Förderung, vom Standort etwa Schulzentrum Vlotho.

In der Schulchronik des Ortes heißt es: „Im Mai 1930 kommt es auf dem Gelände des Landwirts Krögermeier zur Errichtung eines Kieswerks, nachdem Untersuchungen ergeben hatten, dass dort bis in 26 Meter Tiefe Kies von sehr guter Qualität zu finden ist. Der Abtransport erfolgt über eine Drahtseilbahn, die über die Weser zu den Verladestellen an der Bahnlinie führt. Vor dem Kiesabbau nutzte eine Ziegelei den Auelehm, um Ziegelsteine zu brennen.“

Am 3. August 1931 berichtet Werkmeister W. Dienemann: „Der Abbau erfolgt durch Bagger über und unter Wasser. Der Wasserstand in der Grube liegt acht Meter unter Tagesoberfläche; das Kieslager ist nach Bohrungen 22 Meter mächtig.“

Ein weiterer Kurzbericht aus dem gleichen Jahr beschreibt das damals angetroffene Profil der Grube, in der eine reiche Säugetierfauna gefunden wurde. 1932 wechselten dann die Besitzverhältnisse.

Nach dem Krieg übernahm ein Geschäftsmann aus Hannover das Kieswerk. Es wurde auch unter der Bezeichnung *Weser“ GmbH geführt. Ende der 50er Jahre endete der Kiesabbau und heute hat der Sport-Angler-Verein aus Hannover hier seine Zelte aufgeschlagen.

Paläontologische und archäologische Funde

Juli 2005: Der Kiesteich als geschlossenes Freizeit-Gelände des SAV Hannover.

Bild: Juli 2005: Der Kiesteich als geschlossenes Freizeit-Gelände des SAV Hannover.

Die Fundverhältnisse der Kiesgrube und das Profil werden von Helmerding, Koppe und Spiekerkötter beschrieben:*Der Auelehm und die darunter liegende Schicht mit Baumstämmen, Pflanzen -und Insektenresten liegen den größten Teil des Jahres über dem Grundwasserspiegel. Der Kies, der bis zu einer Tiefe von 16m heutiger Oberfläche mit einem Löffelbagger gefördert wird, liegt nur selten in seinen obersten Partien frei. Im Auelehm und in der Baumstammschicht sind noch nie Artefakte beobachtet worden. Zuverlässige Angaben über die Tiefe, in der die vorgeschichtliche Funde entdeckt wurden, fehlen.“

In der Schulchronik von Uffeln ist weiter nachzulesen, dass Arbeiter in den entstehenden Kiesgruben Knochen eines Mammuts – u. a. einen Stoßzahn von gefunden haben.

Zeichnung eines Fundstückes (um 1935), einer sog. "Tüllengeweihaxt".Bild: Zeichnung eines Fundstückes (um 1935), einer sog. „Tüllengeweihaxt“.

Die drei unter anderem hier gefundenen *Tüllengeweihäxte“ gehören in die archäologischen Epoche *Ertebølle,“ der mittleren Steinzeit (Mesolithikum). Diese Jäger- und Sammlerkultur, die bis etwa 4000 v. Chr. existierte, siedelte in Dänemark, Südschweden, Schleswig-Holstein und an der norddeutschen Küste entlang, wo man mehrere Siedlungen dieser *Kökkenmöddinger“, wie man die Siedler nennt, gefunden hat. Ertebølle, das der Kultur den Namen gab, ist ein kleiner Ort im Norden Dänemarks am Limfjord.

Damit auch möglichst viele Funde geborgen werden konnten, ist damals vorgeschlagen worden, den Arbeitern eine Prämie zu zahlen, um ihre Aufmerksamkeit zu steigern. Fünfzig DM genehmigte 1951 Prof. Stieren aus Münster, die von H. Helmerding, je nach Fund, an die Arbeiter ausgegeben werden konnten. Man wollte damit auch verhindern, dass die Arbeiter dem Meistbietenden die Funde aushändigten, wie es in anderen Gruben geschehen ist. Vielleicht ist es eine Aufgabe für die Geschichtswerkstatt, dem Verbleib dieser Funde nachzugehen.