Exter: Im Ortszentrum (2004)
Themenbereich Menschen und Objekte
Missionar Friedrich Brinkschmidt
(aus: I04 - Solterwisch Nr. 54)
Text: Missionar Robert Brinkschmidt, Exter: Bruder des F. Brinkschmidt [Der komplette Beitrag zur Ortsgeschichte wurde zusammengestellt und geschrieben von Siegfried Hauptfleisch()]

Einleitung Der ehemalige Lehrer Siegfried Hauptfleisch heiratete in die Familie Brinkschmidt ein. Er arbeitete die Geschichte der Stätte Solterwisch Nr. 54 auf als unmittelbarer Nachbar in der dicht angrenzenden Bauerschaft Exter, nimmt man die alten Gemeindegrenzen als Anhaltspunkt. In alten Familienunterlagen fanden sich Aufzeichnungen des aus Exter stammenden Missionars Robert Brinkschmidt, die als wertvolle Ergänzung in die gedruckte Ausgabe übernommen wurden. S. Hauptfleisch leitet von dem Bericht zu Solterwisch Nr. 54 dazu über:

Exter Nr. 117 ca. 1950 Bild: Exter Nr. 117 (Bau-, Sarg- und Möbeltischlerei ca. 1950. Links im Bild der Schuppen, der den Brand von 1963 überstand.

Die Neubauern in der Nachbarschaft besaßen wie die Bewohner der Stätte Solterwisch 54 zu wenig Land, um allein von der Landwirtschaft leben zu können und sie sind im 19. Jahrhundert, wie überliefert, unter anderem als Handarbeiter oder Tischler tätig gewesen.

Einer von ihnen war Berthold Brinkschmidt. Er stammte aus Exter von einem kleinen Hof, der damals an der heutigen Straße "Auf der Brinkschmiede" lag. Er wanderte aus, ist aber der mündlichen Überlieferung nach auf dem Weg nach Amerika in Hamburg "hängengeblieben", man könnte ihn als Gastarbeiter bezeichnen. 1870 kehrte er mit Frau und Kindern nach Exter zurück, wo er sich selbständig machte. Bemerkenswert ist, dass er eine Exteranerin geheiratet hatte. Er pachtete und kaufte später die 1868 errichtete Stelle Exter Nr. 117, heute Bickbeernflage 16, wo er eine Bau-, Sarg- und Möbeltischlerei betrieb. - Soweit der überleitende Text, es folgt der Text Robert Brinkschmidts.

Missionar Friedrich Brinkschmidt aus Exter Missionar Friedrich Brinkschmidt wurde am 17. Oktober 1869 in Hamburg geboren als Sohn des Schreinermeisters Berthold Brinkschmidt, gebürtig aus der Gemeinde Exter, Krs. Herford. Bald nach seiner Geburt zogen seine Eltern wieder nach Exter zurück.

Hier besuchte er die Volksschule. Den Konfirmandenunterricht erhielt er von dem ernsten und treuen Pastor Brünger sen., der mit großem Ernst immer wieder alle seine Konfirmanden auf den Heiland wies. Der heilige Ernst dieses Mannes machte einen tiefen Eindruck auf ihn. So ist ihm sein Konfirmationstag unvergeßlich geblieben. Nach der Konfirmation trat er bei seinem Vater in die Lehre und lernte das Schreiner- und Zimmerhandwerk. Leider verwischten sich nun bald alle guten Eindrücke im Verkehr mit leichtfertigen Jugendgenossen. Auch die Gebete der frommen Mutter vermochten ihn nicht von einem leichtfertigen Leben abzuhalten. Dann aber griff Gott selber ein. Der Vater erkrankte so schwer, dass keine Hoffnung auf Genesung vorhanden war. Da kniete die Mutter mit den Kindern nieder und bat Gott um Gesundung. Und Gott erhörte ihr Gebet und der Vater wurde wieder gesund. Das machte einen tiefen Eindruck auf ihn, und der Herr redete ernstlich zu seinem Gewissen.

Bald waren diese Eindrücke wieder verschwunden. Er wollte das Leben weiter genießen in der Lust der Welt. Zum Glück ließen ihn die Eltern nach vollendeter Lehrzeit nicht in die Fremde gehen. So blieb er vor größeren Versuchungen bewahrt. Auch ging er der Sitte gemäß Sonntag für Sonntag in die Kirche.

Grabstätte Friedrich Brinkschmidt Zum ernstlichen Nachdenken kam er erst, als bei einer Hausrichtung ein Maurer verunglückte und noch am selben Tage starb. Da rief ihm eine innere Stimme zu: Wenn du an seiner Stelle da lägest, dann wärst du für ewig verloren. Das war ein ernster Gnadenzug des Geistes Gottes. Nun schloß er sich dem neu gegründeten Jünglingsverein an, zog sich von den leichtfertigen Freunden zurück und fand immer mehr Freude am Umgang mit christlichen Freunden. Besondere innere Bewegung bekam er dann noch durch die Abschiedsreden des exterschen Missionares Scheidt, der seine letzte Rede hielt über das Wort: "Wo ich bin, soll mein Diener auch sein". Als dieser hinauszog nach Neuguinea, ist er mit ihm in Verbindung geblieben.

Und als danach einmal der Missionar Zimmer in Exter auf einem Missionsfest mit großem Ernst predigte und mit begeisterten Worten schilderte, wie der Herr ihn aus so vielen Lebensgefahren errettet habe und dann in die Versammlung hinein rief: "Und wenn ich noch einmal geboren würde, dann würde ich wieder Missionar werden, und wenn ich dann noch einmal geboren würde, dann würde ich wieder Missionar werden", da entzündete diese Glaubensfreudigkeit in ihm (Friedrich Brinkschmidt) das Verlangen, ein ebenso fröhlicher Gottesmensch zu werden.

Missionar Scheidt aus Exter Bild: Bild des Missionars Scheidt aus Exter in der Dofkirche Exter vor dem Neubau des Kirchenschiffes im Jahr 1952

Von der Zeit an fing er ernstlich an zu beten und Gott um ein neues Herz zu bitten und um den Frieden der Seele mit Gott. Auch fing er nun an eifrig in der Bibel zu lesen. Auf diese Weise kam er zum lebendigen Glauben an Gott und zur Heilsgewissheit. Fortan führte er nun auch ein Glaubensleben und einen christlichen Wandel zum Vorbild und Segen für Viele.

Zu der Zeit kam die Nachricht, dass die Missionare Bösch aus Quernheim und Scheidt aus Exter in Neuguinea ermordet und wahrscheinlich aufgefressen seien. Die damalige Predigt des Missionars Zimmer und die Botschaft von der Ermordung des Missionars Scheidt erweckten in ihm den Gedanken, auch Missionar zu werden.