Blick auf Valdorf

Blick auf Valdorf(aus Z09 gwsplitter »Valdorfer Kalendergeschichten 2016«)
Text: A. W. König und W. Sieber

Reproduktion einer alten Postkarte auf dem Deckblatt des zum Jahr 2016 erschienenen Kalenders mit historischem Bildmaterial zu Valdorf

Kirche Valdorf, Simeonsstift und Gastwirtschaft Iburg

Bild: Reproduktion einer alten Postkarte auf dem Deckblatt des zum Jahr 2016 erschienenen Kalenders mit historischem Bildmaterial zu Valdorf


Am 16. März 1258 wurde die Kirche zu Valdorf vom damaligen Besitzer, dem Grafen von Oldenburg und seiner Gattin Elisabeth verschenkt. Ordnungsgemäß wurde die Schenkung in einer Urkunde festgehalten; sie ist das älteste bekannte Dokument zur Valdorfer Kirche.

In den Jahren 2006 und 2007 wurde die Kirche renoviert und umgestaltet. Viele Menschen beschäftigten sich mit dem Gebäude. Für die Planungen wurde der vorherige Bau genau vermessen und erkundet. Im Jahr 2005 fand eine Bestandsaufnahme und Untersuchung des Kirchengutes statt. In der Bauphase gab es immer wieder überraschende Entdeckungen wie ein bislang unveröffentlichter Aufsatz zur Geschichte der Valdorfer Kirche von Vlothos Stadtchronist Karl Großmann oder Tonbänder mit der Aufzeichnung des Eröffnungsgottesdienstes der Bonneberger Kirche im Jahr 1957. Er wurde nach der Vlothoer Agende abgehalten, einer historischen Gottesdienstordnung, wurde digitalisiert und ist in einer 2 CDs umfassenden Edition bei der Geschichtswerkstatt Exter erhältlich.

Kirche Valdorf Bild: Kirche Valdorf – Zur Einrichtung der Kirche soll noch erwähnt sein, dass die heutige Orgel auf der Empore im Südflügel 1964 von der Wehrendorfer Orgelbauwerkstatt Steinmann gebaut wurde.

Von 1868 bis 1897 wirkte in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Valdorf der 1835 geborene Pfarrer Eberhard Delius. Die Kirche stand in Valdorf, das Pfarrhaus im benachbarten Wehrendorf. Das änderte sich, als er im Jahr 1895 ein Pfarrhaus in Valdorf bauen ließ, den Bau unterstützte er auch finanziell. Sein größter Verdienst am Ort ist die heute als Simeonsstift bekannte Einrichtung für alte Menschen, die seit 1979 dem Evangelischen Johanneswerk in Bielefeld angeschlossen ist.

Es begann 1885 mit der Grundsteinlegung zum Bau eines Kranken- und Pflegehauses als Ersatz für ein wohl vorhandenes, aber unzureichendes Armenhaus auf der Horst, einer Gemarkung in Valdorf. Delius sorgte für die finanzielle Absicherung dieses Vorhabens. Er begann mit einer persönlichen Einlage von 300 Mark. Neben Spenden aus der Familienstiftung Delius stellte er auch Teile seines Gehaltes zur Verfügung.

SimeonsstiftBild: Simeonsstift: – Am 4. Juli 1886 wurde das Haus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Schwestern des westfälischen Diakonissenhauses Bielefeld übernahmen die Leitung und die Betreuung der Patienten. Der Vlothoer Geheimrat Dr. Hillebrecht war als Arzt verantwortlich.

1897 starb Eberhard Delius an Herzversagen, bestattet wurde er in Valdorf. Nahe dem heutigen Gemeindehaus der Kirchengemeinde Wehrendorf steht ein ihm gewidmeter Gedenkstein.

Am Stift war schon 1893 ein Anbau erforderlich, dem 1906 eine erneute Erweiterung folgte. Im Jahr 1936 kam es abermals zu einem Erweiterungsbau. Das heutige Haupthaus wurde 1980 gebaut. Das fachliche Konzept als Alten-, Wohn- und Pflegeheim orientiert sich seit 1997 zunehmend am klinischen Modell eines modernen Krankenhauses.

Gastwirtschaft Iburg Bild: Gastwirtschaft Iburg – In amtlichen Dokumenten aus dem Jahr 1717 ist vermerkt, dass für ein Wirtshaus an der Valdorfer Kirche als Kruggeld ein Taler und neun Mariengroschen zu zahlen seien. 1850 wird ein Ernst Schalk aus Wüsten als Wirt und Besitzer genannt, dessen Tochter Friedrich Iburg heiratet.

Zum Gasthaus gehört eine Bäckerei mit Kolonialwarenhandlung, um 1930 kam eine Posthilfsstelle dazu. 1936 kaufte das Simeonsstift das Gebäude für die spätere Erweiterung um das Altenheim. Im II. Weltkrieg wurden im Saal polnische Kriegsgefangene untergebracht.

In unsere gwsplitter-Ausgabe Z02 vom April 2012 konnten wir mit dem Titel »Valdorf, mein Ferienparadies« einen Teil der Jugendheitserinnerungen des verstorbenen lippischen Heimatdichters Wilhelm Süvern aufnehmen, der als Enkel des Gasthofbesitzers Iburg dort häufig seine Ferien verbrachte.