Exter: Im Ortszentrum (2004)
Rürups Mühle
(aus: L11 - Spurensuche XI)

Wann genau hier das erste Mal Korn gemahlen wurde, ist nicht dokumentiert, wohl aber, wann sich das erste Mal Konkurrenz regte. Im Jahr 1587 beantragte der an der auf Ravensberger Seite gelegene Johann Taake die Erlaubnis, eine Wassermühle zu betreiben, da die Untertanen mit ihrem Mahlgut über die Grenze nach Minden gingen und "lassen einer fremden Obrigkeit den Molter verdienen" (Molter = Mahllohn).

Also gab es zu diesem Zeitpunkt in der Nähe bereits eine Mühle, direkt an der Grenze zwischen der Grafschaft Ravensberg und dem Bistum Minden, frequentiert von den umliegenden Bauern, gleichgültig, zu welcher Herrschaft sie gehörten. Erste Erwähnung in den Gohfelder Kirchenbüchern findet "Johann Rürup droben in der Mühlen", er starb 1673 im Alter von 74 Jahren.

Bild: So sah es hier 1920 aus. Links befindet sich der Teich, der Weg führt in Richtung Exter, rechts hinter Bäumen verborgen das Mühlenhaus, das Fachwerk ist noch zu erkennen.

Der Wasserlauf des Mittelbachs bot an, eine Mühle zu betreiben, wenn sich Wasser stauen ließ. Die Anlage eines Teichs hatte einen angenehmen Nebeneffekt, sie ermöglichte z. B. dieHaltung von Karpfen zur Bereicherung des Speisezettels, speziell in der Fastenzeit. Der Wasservorrat des heutigen Teiches liefert Energie für drei bis vier Stunden Mahlbetrieb, früher reichte seine doppelte Größe sicher für einen ganzen Arbeitstag. Mit Wasserkraft wurde in der Rürupsmühle noch bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts gemahlen.

In den vorhergehenden 400 Jahren des Mahlbetriebs gab es in der Wassermühle immer wieder technische Veränderungen, was einerseits auf Verschleiß, andererseits auf Wunsch nach höherer Effektivität gründete. Der Lagerstein unter der Wasserradachse trägt die Jahreszahl 1854, wahrscheinlich das Datum eines Erweiterungsbaus, bei dem das Wasserrad überbaut wurde und sich damit im Inneren der Mühle befand, so war ganzjähriger Mahlbetrieb möglich.

Bild: (1991) Das vom Löhner Verein "Vom Korn zum Brot" renovierte Mühlenhaus ist voll funktionsfähig und zeigt anschaulich, wie ein altes Handwerk "funktionierte".

1919 ersetzte eine moderne Eisenkonstruktion Wasserrad und Getriebe aus Holz. Das eiserne Mühlrad war vorher in Hausberge im Einsatz, die dortige Mühle musste der Eisenbahn weichen, und es fand zwar kostengünstig, doch sicher sehr mühevoll, in der Rürupsmühle seine neue Heimat. Die Wassermühle mit ihren damals zwei Mahlgängen lieferte sowohl Schrot für Futterzwecke als auch feines Mehl zum Backen. Ein besonderes Reinigungsverfahren trennte die Keime aus den Körnern.

Dennoch, die Elektrizität, inzwischen in jedem Haushalt, lief der Wasserenergie den Rang ab, die Mühle wurde nach dem zweiten Weltkrieg kaum noch genutzt und 1960 der Mahlbetrieb ganz eingestellt. Nach und nach verfiel das Gebäude, der Mühlenteich wurde zugeschüttet, 1980 schließlich sollte die Mühle ganz abgerissen werden. Aufgeschreckt durch das alarmierende Geschehen gründete sich der Verein "Vom Korn zum Brot". Die Mitglieder begannen mit Tatkraft und Energie, die marode Wassermühle wieder zum Leben zu erwecken.

Bild: (1991) Der Mühlenteich macht die Anlage im Mittelbachtal zu einer Idylle. Im Wasser die katzensichere Enteninsel.

Durch die Anerkennung als 'technisches Kulturdenkmal' konnten Fördermittel beantragt werden und innerhalb von zwei Jahren, mit vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit der Vereinsmitglieder und Einsatz vieler Helfer, z. B. Lehrlingen aus dem Baugewerbe, ABM-Kräften und Berufsschülern, erwachte die Mühle aus dem Dornröschenschlaf. Am 17. März 1984 klapperte die Mühle zur Freude der anwesenden Festgäste wieder. Gleichzeitig konnte das hier wieder aufgebaute Backhaus vom Hof Wiebesiek in Vlotho-Valdorf angeheizt werden. Bäckermeister Scholz, ungeübt im Umgang mit alten Backhäusern, zog am ersten Backtag verkohlten Butterkuchen mit den Worten: "Heute gibt's Afrikanischen Sonntagskuchen!" aus dem glühend heißen Ofen.

Bild: (1991) Das Backhaus (Wiebesiek aus Vlotho-Valdorf) hat Geburtstag: 150 Jahre!

Schon im Eröffnungsjahr begann man mit dem Wiederaufbau des großen Ernte- und Dreschhauses, das aus Oetinghausen vom Bauern Stork stammt, es wurde 1985 in Betrieb genommen. Im reetgedeckten Bauernhaus findet der Besucher Restauration, Ausstellungsräume und Ställe für z. B. den Mühlenesel, einen Angehörigen einer besonders großen und kräftigen historischen Rasse. Goldfarbene Hühner ("Westfälische Totleger") und zwei Ziegen bewohnen das Haus in den Sommermonaten.

Bäuerliche Kultur zeigt sich draußen im Bauerngarten mit den liebevoll angelegten Beeten, mit Buchsbaum gefasst, bepflanzt mit alten Blumen, Gemüsesorten und Kräutern. Das 1999 hinzugekommene Speicherhaus aus Bennien bei Spenge ist dem Original nachgebaut und kann für kleinere Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden. Als letztes Bauwerk wurde der Anlage ein Holzschuppen nach historischem Vorbild mit Lüftungslöchern im Mauerwerk und im hölzernen Giebel hinzugefügt.

Bild: (1999 - v.l.n.r.) Das Bauernhaus Stork aus Oetinghausen bei Herford und der Fachwerkspeicher aus Bennien bei Spenge machen die Anlage auch bei weniger vorteilhaften Wetter zu einem lohnenen Ziel mit Bewirtung.

Jährlich besuchen an die 50 Schulklassen und Kindergartengruppen die Rürupsmühle. Vereinsmitglieder erklären den Kindern die Funktion der Wassermühle, zeigen alte Gerätschaften und informieren über historische bäuerliche Lebensform und Kultur. Während der Sommermonate ist die Anlage an jedem Wochenende dem allgemeinen Publikum zugänglich. Jeden zweiten Samstag kann man ganz hautnah miterleben, wie Korn zum Brot wird. Das in der Wassermühle gemahlene Schrot wird zu Vollkornbrot verbacken. Schon am Vortag wird der Natursauerteig angesetzt, am Morgen der Steinofen angeheizt und nachmittags die jeweils etwa 130 Pfund Teig verbacken. Das erste Brot wird traditionell als Kostprobe an die Besucher verteilt.

Höhepunkte im Jahresablauf sind das Eiersuchen am ersten Ostertag, der Plattdeutsche Gottesdienst am Pfingstmontag und die Erntedankandacht am Samstag vor dem Erntedankfest - wofür es wohl keinen besseren Ort geben kann.